Freitag, 5. November 2010

Alltag (39): Das Ende des Ruftantentums

Wann sind eigentlich die Ruftanten von uns gegangen? Nicht, dass ich ihr Ableben bedauern würde - ich fand es als Kind schon immer komisch, dass wildfremde Menschen als "die Tante" oder "der Onkel" bezeichnet wurden. Grenzwertig war es auch mit den Freunden von Eltern: Es war klar, dass sie keine Onkel und Tanten im klassischen Sinne waren, aber in Ermangelung von Ansprachemöglichkeiten wurden sie dann manchmal auch mit familiären Titeln einbezogen.

Unser Sohn hat nur leibliche bzw. angeheirate Onkel und Tanten und auch davon eigentlich nur ganz, ganz wenige. Zumindest ist die Anrede stimmig, obwohl er auch hier meistens nur die Vornamen verwendet. Unsere Freunde werden nur mit Vornamen benannt und angeredet. Wir kämen gar nicht auf die Idee, ihm Freunde als "Tante Sabine" oder "Onkel Thorsten" vorzustellen. Aber genau dabei fiel mir auch, dass "Rufonkels" und "Ruftanten" uns verlassen haben, still und leise von uns gegangen sind - mögen sie in Frieden ruhen und nicht mehr zurückkommen!

Dienstag, 2. November 2010

Alltag woanders (17): Salzburg mit Kids

Wenn die Tage - wie jetzt im November - trübe und kalt werden, soll man sich sonnige und warme Gedanken machen. Also eine gute Gelegenheit, an unseren Kurz-Tripp von Anfang Juni zurückzudenken, über den ich hier noch nicht berichtet habe. Wir wollten Bekannte aus den USA treffen, die südlich von uns Europa bereisten. Da München wegen einer Messe zu teuer war, haben wir uns in Salzburg verabredet.

Entgegen unserer erfolgreich erprobten Übernachtungsform, bei der wir ein weiteres Zimmer neben dem Schlafzimmer bevorzugen, damit wir nicht jeden Tag mit unserem Kind den Tag beenden müssen, hatten wir diesmal nur ein Zimmer gebucht. Die Alternative wäre ein Quatier fern aller Fußwege und da wir ohne Auto unterwegs waren, wollten wir gern mittendrin in Altstadt bleiben. So sind wir im Elefant, direkt um die Ecke von Mozarts Geburtshaus auf der Getreidegasse, gelandet. Das Haus ist seit über 750 Jahren Hotel - da sollte man einiges an Service-Erfahrung vermuten dürfen. Es war auch alles tipptopp.

Wenn man Salzburg mit Kindern bereist, kann man den Spuren von "Little Amadeus" folgen. Das gibt es wohl auch im Fernsehen oder als Hörspiel - war mir aber bisher noch nicht untergekommen. Auch wenn die Kinder noch nicht groß genug sein sollten, um alles zu verstehen, so haben auch die Eltern Spaß an dieser Form der touristischen Spitzenjagd quer durch die Stadt. Laufroute, Stadtplan und Fragen lassen sich ganz einfach im Netz herunterladen und als Ausdruck mitnehmen. Wenn man die Stationen abgehakt hat, hat man Salzburg gesehen.

Awa 17.1: Entdeckertour durch Salzburg (Auszug)

Der Favorit unseres Sohnes war die "Station 6": Das Rad der Wassermühle der Stiftsbäckerei St. Peter. Wann immer sich die Gelegenheit bot, mussten wir dort verweilen und das Wasserrad bewundern. Dort war es auch, dass er festgelegt "Ingenieur für Mühlräder" zu werden. Wenn man dort die urigen Backwaren ersteht, sollte man Kümmel mögen.

Erwähnt werden sollte unbedingt noch das "Haus der Natur" als interaktives Spiel- und Erlebnismuseum, dass allen etwas bietet und auch bei schlechterem Wetter Spaß garantiert. Die Führung auf der Burg empfiehlt sich umbedingt: Zwar haben die Headsets auch eine Tonspur für Kinder, aber diese brauchen schon eine gewisse Größe und Geduld den Ausführungen zu lauschen und zu folgen. Für die ganz Kleinen sind eher die Riesen-Bauklötze im Innenhof eine Attraktion - hier kann sich jeder kleine Ritter und jedes kleines Burgfräulein die eigene Burg zusammenbauen.

Sonntag, 24. Oktober 2010

Basteln (5): Unsere Küchenuhr als Beispiel prägender Gestaltbildung

Mein Blog-Beitrag über die risikofreie Veredelung unserer Habitat-Kinderuhr hat natürlich Wirkung gezeigt und wir haben unsere vier kostenfreien, selbstklebenden Plastik-Schildchen bekommen, um den Ziffernblättern andere Städte zu zuweisen. Wie immer haben wir dann erstmal eine ganze Zeit lang nichts gemacht - zumindest in Bezug auf unsere angehende Küchenuhr.

Irgendwann war es dann so weit, dass unser bevorzugter Heimwerker mal wieder zu Besuch kam, um ein paar kleinere Reparuten vorzunehmen. Der richtige Zeitpunkt, um auch unsere Uhr an die Wand schrauben zu lassen - denn sie sollte ja gerade hängen und vor allem hängenbleiben. Also: Klebe-Schildchen herausgewühlt und die alten Städtenamen überklebt, um ungemochte Paris durch das heimatliche Düsseldorf ersetzen zu können.
Abb. B6.1: Die Küchenuhr mit den neuen Städtenamen, die wir exakt über die identischen alten Städtenamen (bis auf Paris, das Düsseldorf wurde) geklebt haben

Die Uhr hängt fein an ihrem Platz in unserer Wohnküche, aber dennoch muss ich immer ein bisschen grinsen, wenn ich dort hingucke: Da wir alle Städtenamen überklebt haben, hätten wir natürlich auch die Reihenfolge gänzlich verändern können. Aber irgendwie kommt man nicht auf die einfachsten Dinge, wenn man in erster Linie nur "Paris" ersetzen will und die ursprüngliche Reihenfolge wie gottgebenen festgelegt wirkt. So kam es, dass aus dem kontrastarmen, grün-blauen "Pariser"-Uhrblatt "Düsseldorf" wurde. Wir haben die jenige Uhr für die lokale Zeit gewählt, die sich am wenigstens lesen lässt. Aber wir können ja weiterhin die Zeiten aus New York, London und Tokyo umrechnen, wenn wir wissen wollen, wie spät es bei uns ist.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Alltag (38): Da haben wir das Theater

Am Wochenende waren wir mit Sohnemann, der kurz vor drei ist, zum ersten Mal zusammen im Theater. Eigentlich wurde die Idee erst so richtig konkret, nachdem er vor ein paar Wochen mit seiner Kindergartengruppe im Tanzhaus NRW ein Stück gesehen hatte - zumindest war ihm das Medium nicht mehr ganz fremd.

Im Jungen Schauspielhaus in der Düssseldorfer Münsterstraße gibt es in dieser Spielzeit ein Stück für Kinder ab zwei Jahren: "Die Farben des Feuers". Man sitzt im Foyer im Kreis um eine Stapel Säcke, die in der Mitte stehen. Dass es darum gehen soll, dass zwei einen Kuchen backen wollen, hat sich mir nicht erschlossen, aber die ganze Handlung ist ja auch nicht für Erwachsene gedacht.

Den Kindern macht es Spaß: Es wird ordentlich Sand verstreut, getanzt und Geräusche gemacht und Luftballons aufgeblasen. Was will man als Dreikäsehoch noch mehr? Für die halbstündige Darbietung reicht die Konzentration der Kleinen gut aus, danach dürfen sie auf der "Bühne" mitmachen - mit dem Sand herumwirbeln, sich einen Ballon nehmen oder die Schauspieler kitzeln. Und die Eltern freuen sich daran, dass die Kinder Spaß haben.

Da die Verwendung der Bilder honorpflichtig ist, ich aber sie dennoch nicht vorenthalten möchte, ist hier der Link zur Foto-Seite des Jungen Schauspiels.

Donnerstag, 30. September 2010

Alltag (37): Rätsel des Alltags - Guten Appetit-Verschen

Kinder brabbeln ja gerne alles nach, was sie aufschnappen. Wenn sie jünger sind - so wie unser Sohn - erfolgt die Reproduktion rein phonetisch: Sie geben genau das wieder, was sie meinen, verstanden zu haben. Meistens ist es putzig, manchmal hat man keine Ahnung, was sie meinen könnten.

Jetzt brachte unser Sohn aus dem Kindergarten ein Guten-Appetit-Verschen mit, dass er auch zu Hause eingeführt wissen wollte: "Piep - Piep - Piep - wir haben uns alle lieb" - bis dahin war das Sprüchlein verständlich und so weit kannten wir es auch. Dann kam eine schnell vernuschelte Passage, in der man seinen Nebenmann nicht verspeisen solle und dann: "Guten Appetit".

Das wollten wir natürlich genauer wissen - also fragen wir das Internet, denn das Intenet weiß alles. Der Spruch ging tatsächlich, wie wir ihn verstanden hatten:

Piep piep piep
wir ham uns alle lieb!
Jeder esse, was er kann
nur nicht seinen Nebenmann!

Das war ja noch einfach. Aber fleißige Menschen haben bei Wer-weiß-was ihr Wissen zusammengetragen, auf das man sich jeden Tag des Jahres in einer Variation des Gepiepes einen guten Appetit wünschen kann. Hier ein paar von meinen Favoriten.

Interessante Variante:

Widde, widde, witt.
Einen guten Appetit.
Jeder esse was er kann,
eins, zwei drei, ran!!

Oder ein bisschen andächtiger:

Für Spaghetti lang und schlanksag
ich meinem Schöpfer dank.

Hier findet ihr die vollständige Sammlung - Guten Appetit!