Samstag, 14. September 2013

Alltag (76): Papas sind Spielverderber

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Eigentlich fiel es mir im jüngsten Sommerurlaub am Strand erst so richtig auf, aber man sieht es auch auf örtlichen Spielplätzen oder in heimischen Kinder- und Wohnzimmer: Väter sind richtig miese Spielkameraden.

Häufig lächeln Ehefrauen und Mütter milde, wenn sich der Gatte noch vor dem Kinde über die neue Spielzeugeisenbahn hermacht. Dann hört man solche Sätze wie: "Eigentlich habe ich ja zwei Kinder - ein Großes und ein Kleines." Aber am Ende heult immer einer - und das ist meistens das Kind.

Wie kommt es dazu? Männer ertragen es nicht, wenn nicht korrekt gespielt wird! Phantasie ist das eine, aber beim Spielen muss schon alles mit rechten Dingen zugehen: Die Lokomotive ist meistens vorne am Zug, Kühe wohnen nicht auf Bäumen und wer ein Haus baut, muss auch eine Tür mit rein bauen!

Am Strand sah ich einen Vater, der neben einer großflächig angelegten Sandburg mit seiner vielleicht fünf Jahre alten, verheulten Tochter schimpfte: "Ich kann das einfach niciht verstehen. Jetzt haben wir zwei Stunden so schön mit einander gespielt und dann schließt Du den Wall der Vorburg auf der Rückseite nicht. Das schwächt die ganze Verteidigung. Niemand würde eine solche Burg bauen - das macht überhaupt keinen Sinn! So macht das keinen Spaß mit Dir zu spielen!"

Ein bisschen fühlte ich mich ertappt. Am Schlimmsten finde ich es bei Eisenbahnen - egal ob Plastik, Holz oder Metall: Da werden endlose Schlangenlinien aus Schienen verlegt - völlig egal, ob sich daraus Rundstrecken ergeben oder nicht. Da kann doch überhaupt kein Zug drauf fahren! Was soll das denn? Spielzeugeisenbahnen sollten aus einer längeren und einer kürzeren Schleife bestehen, damit Überholungen möglich sind, wenn man zwei Züge fahren lässt... Ach, wem ich erzähle ich das hier??? Hört ja eh keiner auf mich! Ihr baut ja sowieso was ihr wollt!!! Ganz egal, ob es funktioniert oder nicht... MIT EUCH SPIELE ICH NICHT MEHR!!!!

Montag, 17. Juni 2013

Alltag woanders (36): Da kann man nicht meckern...

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Auf Reisen macht mal ja manchmal den ein oder anderen ungeplanten Zufallstreffer. So ging es auch uns bei unserem fast einwöchigen Fast-Camping-Selbstversuch an der niederländischen Küste.

Da das Frühjahr 2013 de facto ausgefallen war, konnten wir Ende Mai unsere Urlaubstage nicht am Strand verbringen, sondern mussten uns wetterfeste Alternativen vor Ort suchen. Das ist uns an dem einem Tag etwas besser gelungen, als an dem anderen.

An dem gelungeneren Tag waren wir zuerst in der Schmalspurbahn-Werkstatt, wo freundliche ältere Herren an historischen Waggons und Lokomotiven herumschrauben und einem kostenfrei gerne zeigen, was sie so treiben und anschliessend hatten wir einen äußerst leckeren und günstigen maritimen Snack im Imbiss in der Fischauktionshalle in Stellendam. So weit, bereits schon so gut.

Auf dem "Heimweg" wollten wir dann noch mal am Ziegenbauernhof vorbeischauen, wovon wir eigentlich am wenigstens erwartet haben. Und erwartungsgemäß ist man dann immer am meisten überrascht. Der EU besiegelte Bio-Bauernhof ist ein Musterbeispiel transparenter Besucher-Höfe. Man kann de facto überall reingehen und wo man aus hygenischn Gründen nicht reingehen darf (wie zum Beispiel in die Käserei oder Küche), kann man durch große Glasflächen reinschauen.

Abb. Awo 36.1: Ziegen, Ziegen, Ziegen
Deswegen geht es dort keineswegs beschaulich oder putzelig zu. Es handelt sich eher um einen quasi landwirtschaftlich-industriellen Komplex mit 300 Ziegen, die pro Tag ca. 1 Tonne Ziegenmilch geben, die dann zu Käse und anderen Ziegenmilchprodukten direkt verarbeitet werden. Die Stallungen wirken trotzdem nicht eng oder beklemmend und das tägliche Melken (immer 40 Ziegen gleichzeitig) ab 15.30 Uhr ist auch schon eine beeindruckende Show, mit einem unglaublichen Ziegengewimmel.

Abb. Awo 36.2: Die "Melk-Show" - täglich um 15.30 Uhr
In einen Nebenstall werden Jungtiere (Kühe, Küken und Kanninchen) gehalten, was Kinder genauso interessant und spannend finden, wie den netten Spielplatz auf dem Gelände. Die Hofgastronomie ist günstig - und vor allem was ganz Besonderes, weil hier natürlich alles auf Basis von Ziegenmilch hergestellt wird.

Für uns war es die Premiere für Speiseeis aus Ziegenmilch. Das ist übrigens sehr lecker - auch wenn es im Abgang und Nachgeschmack "ziegiger" ist, als man zuerst wahrnimmt. Die Sortenvielfalt ist auch überraschend.

Wir hatten mit den Kindern rundum unterhaltsame und entspannte knappe zwei Stunden dort und haben uns mit allen noch lange über das Erlebte unterhalten - ein rundum positive Urlaubserlebnis, das nicht einmal Eintritt kostet.

Abb. Awo 36.3: Und noch mehr Ziegen...
Und das ganze ist als "heilpädagogischer Bauernhof" auch noch so ein Gut-Menschen-Projekt, in dem Menschen mit psychschen und psychosozialen Problemen die Chance zur Rückkehr in bezahlte Arbeit und somit in die Gesellschaft erhalten.

Manche Dinge, sind einfach zu schön, um sie sich ausdenken zu können.

Freitag, 31. Mai 2013

Alltag woanders (35): Campe, wer da wolle...

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Wir staunen immer darüber, wie viele Eltern Dinge tun, die irgendwelchen weichgezeichneten Bildern in ihren Köpfen folgen. Bollerwagen gehören dazu, weil es so putzig aussieht, wenn die Kleinen zwischen Picknick-Decken und Sandspielzeug ergonomisch fragwürdig hocken oder Landleben-Idylle nach dem Michel-Schnittmusterbogen.

Beides recht albern: Wer schon mal vollbepackt versucht hat, einen Bollerwagen aus dem Keller zu zerren oder Weideland eher zum Weinen findet, der weiß, wovon ich rede.

Noch so eine Idee, auf die Menschen verfallen, so bald sie sich vermehrt haben: Mit Kindern muss man Campen gehen! Camping-Plätze sind ja sowas von praktisch: Die Familie ist zusammen, man ist viel an der frischen Luft, da fahren keine Autos und dort gibt es andere Familien mit Kindern. Mit einem Zelt oder Caravan ist man auch frei, überall hinzufahren, wo man will.

- sofern man nicht zentral Quartier machen will und Infrastruktur ablehnt, mag der letzte Punkt zumindest stimmen. Und mit Wohnwagen oder -mobil passt am eh nicht in den Stadtverkehr. Natürlich ist mal auch viel an der frischen Luft - wer will denn auch schon die ganze Zeit in einer stickigen kleinen Konserve oder einer von innen beschlagenen Zeltbahn hocken?

Camping-Urlaub ist nicht romantisch! Man muss alle Dinge der tagtäglichen Hausarbeit auch im Urlaub verrichten und das mit unzureichenden Mitteln im unzureichenen Platz - egal ob Kochen, Geschirrspülen oder Wäsche waschen. Die Waschbecken sind kleiner oder nicht vorhanden und das Wasser muss in Kanister angeschleppt werden. Was soll an einem Leben in der Steinzeit schon toll sein?

Wir haben es nun gerade eine Woche lang versucht und sind nun vollends geheilt. Dabei haben wir nicht mal in einem Zelt oder Wohnwagen gelebt, sondern hatten uns einen Bungalow auf einem Campingplatz gemietet. Aber irgendwie bleibt Campingplatz eben doch Campingplatz - auch mit festen Wänden. Im seperaten WC tropfte es unter dem Waschbecken, obwohl zum Händespülen das Waschbecken in der Küchenzeile benutzt haben, die Teppichfliesen lösten sich und es wimmelte von Ameisen.

Zugegeben: Näher am Strand hätte man nicht wohnen können, aber die knapp zwei Kilometer Fußweg durch den Dünengürtel hatte man trotzdem. Unser Lösung: Einfach einen anderen Strand buchen, wo man die Hotels bis dicht an den Strand bauen darf! Dort werden wir dann Urlaub machen, während ihr euer Geschirr mit kalten Wasser in Plastikschüsseln spült und Bollerwagen durch das Dünenmehr zieht...

Mittwoch, 22. Mai 2013

Basteln (13): Wandtattoo-Übermut

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Im Zimmer des Größeren hatten wir uns ja schon kreativ ausgetobt und hatten es auch schon recht früh mit einem Wandtattoo versucht. Die Bimmelbahn auf die Wand zu rubbeln war kein großer Akt und als es darum ging, das zweite Kinderzimmer zu richten, hatten wir sofort große Pläne: Und zwar exakt 100 cm mal 150 cm!

So groß sollte der Baum ausfallen, den wir als Wandtattoo auf eine gut zwei Meter breite lindgrün gestrichene Wandfläche auftragen wollten. So groß haben wir den Baum dann auch in Dunkelgrün bestellt und so groß wurde er selbstverständlich auch geliefert.

Man kann das nicht oft genug schreiben, denn der Baum war wirklich sehr groß und eine solch großen Aufkleber heile an die Wand zu bringen ist schon eine recht Plackerei. Insbesondere da die Blätter an hauchdünnen Zweigen hängen und gerne mal beim Auftragen abreißen.

So herzhaft geflucht wurde selten in einem Kinderzimmer. Und wir konnten uns nicht entscheiden, wer von uns beiden Eltern eigentlich so bescheuert war, einen solch großen Sticker zu bestellen. Da wir aber auch vorweihnachtliche Wochenendeinkäufe bei IKEA als Paar unbeschadet überstanden haben, konnte auch ein Aufkleber nicht für einen Streit sorgen, aber wenn es an die Anforderungen beim Auftragen geht ist der Baum definitiv Champions-League während die Bimmelbahn nur Bezirksklasse war.

Abb. B13.1: Baum an Wand (2011)

Am Ende ist ja alles gut gegangen und der Baum klebt gerade an der Wand und sieht richtig klasse aus! Wer weiß, vielleicht treten wir dann doch noch mal bei der Weltmeisterschaft an und tätowieren einen ganzen Wald an eine der noch freien Kinderzimmerwände.

Montag, 8. April 2013

Alltag (75): Einseitiges Spitzen

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Kinder stellen einen manchmal vor Fragestellungen, denen man ansonsten nicht begegnet und die man sich auch nicht ausdenken könnte. Ein Phänomen konnten wir vor einiger Zeit bei unserem größeren Sohn beobachten: Einseitiges Spitzen von Buntstiften.

Etwas, was ich zunächst auch nicht reproduzieren konnte, um zu verstehen, wie er das eigentlich anstellte. Das Resultat seiner Versuche die Buntstifte wieder spitz zu bekommen, waren auf einer Seite geschälte Stifte, auf der anderen Seite ummantelte das Holz noch die Mine bis zur Spitze.

Des Rätsels Lösung lag daran, dass der kleine Mann die Stifte nie ganz im Spitzer herumdrehen konnte: Es wurde ein bisschen gedreht und beim Nachgreifen wieder an der Ausgangsposition angesetzt. Damit wurde immer an der selben Stelle gespitzt und die Stifte nahmen dieses eigentümliche Erscheinungsbild an.

Inzwischen hat sich diese Phase gelegt, die Mechanik wurde verstanden und die Stifte sind spitz, wie sie sein sollten.