Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel berichten... Wir sind nach zwei Wochen Japan wieder halbwegs wohlhalten in Deutschland gelandet. Der Flugstress und die Klimaanlagen haben jedoch den Kleinen und den Papa erkältungstechnisch lahmgelegt - so dass das "starke Geschlecht" nur hustet und schnupft, während Mama mal wieder alles richten muss.
Damit wäre auch die Lücke bei den Blog-Beiträgen erklärt - obwohl hier sicher noch viel in der neuen Rubrik "Alltag woanders" über die Reise-Erfahrungen mit Kind berichtet werden wird.
Sonntag, 29. Juni 2008
Sonntag, 8. Juni 2008
Alltag (5): Geteilte Zeit - doppeltes Leid?
Nun versuche ich es schon knapp zwei Monate mit der Elternteilzeit, aber wir müssen uns beide noch aneinander gewöhnen. Der Spaß mit einander hält sich derzeit in Grenzen: Die Kollegen sind unzufrieden, weil sie immer wieder meine Arbeit übernehmen müssen oder das Gefühl haben, auf Grund meiner Abwesenheit nicht ausreichend Input zu erhalten und ich habe das Gefühl, den anderen mehr Arbeit zu machen und meine Teilprojekte nicht ausreichend betreuen zu können.
Es scheint so, dass sich meine Themen jedes Mal ausgerechnet dann verselbstständigen, wenn ich nicht im Büro bin. Ein bisschen so wie die Heinzelmännchen, die nur aktiv werden, wenn man nicht hinguckt. Vielleicht wirkt aber mein leerer Schreibtischstuhl auch wie ein stummer Hilferuf um Unterstützung? Und der sich entfesselnde Aktionismus ist alles andere als böse gemeint.
Oder der Zeitpunkt für die Familienauszeiten ist im Wochenverlauf nicht ideal gewählt: Am Montag sortieren sich alle nach dem Wochenende, am Dienstag Vormittag beginnt das Abarbeiten, am Mittwoch läuft die Maschine auf Hochtouren und ab am Donnerstag bereitet man sich schon wieder langsam aufs Wochenende vor. Vielleicht fehle ich am Dienstag Nachmittag und mittwochs einfach genau dann, wenn alle am aktivsten sind?
Häufig kann ich Dinge auch nicht wie sonst abarbeiten, denn die Ansprechpartner sind dann gerade nicht zu erreichen, wenn ich da bin und rufen dann zurück, wenn ich außer Haus bin. So dauern nun einfachste Klärungen viel länger als sonst.
Wenigstens sind Chefs, Kollegen und Familie guten Willens, dass wir beide - die Elternteilzeit und ich - doch noch glücklich zusammenfinden. Wir alle sind uns einig, dass dies Umdenken und Lernen erfordert - und das braucht wiederum seine Zeit. Und außerdem fahren wir jetzt erst mal in den Urlaub…
Es scheint so, dass sich meine Themen jedes Mal ausgerechnet dann verselbstständigen, wenn ich nicht im Büro bin. Ein bisschen so wie die Heinzelmännchen, die nur aktiv werden, wenn man nicht hinguckt. Vielleicht wirkt aber mein leerer Schreibtischstuhl auch wie ein stummer Hilferuf um Unterstützung? Und der sich entfesselnde Aktionismus ist alles andere als böse gemeint.
Oder der Zeitpunkt für die Familienauszeiten ist im Wochenverlauf nicht ideal gewählt: Am Montag sortieren sich alle nach dem Wochenende, am Dienstag Vormittag beginnt das Abarbeiten, am Mittwoch läuft die Maschine auf Hochtouren und ab am Donnerstag bereitet man sich schon wieder langsam aufs Wochenende vor. Vielleicht fehle ich am Dienstag Nachmittag und mittwochs einfach genau dann, wenn alle am aktivsten sind?
Häufig kann ich Dinge auch nicht wie sonst abarbeiten, denn die Ansprechpartner sind dann gerade nicht zu erreichen, wenn ich da bin und rufen dann zurück, wenn ich außer Haus bin. So dauern nun einfachste Klärungen viel länger als sonst.
Wenigstens sind Chefs, Kollegen und Familie guten Willens, dass wir beide - die Elternteilzeit und ich - doch noch glücklich zusammenfinden. Wir alle sind uns einig, dass dies Umdenken und Lernen erfordert - und das braucht wiederum seine Zeit. Und außerdem fahren wir jetzt erst mal in den Urlaub…
Dienstag, 3. Juni 2008
Die andere S(e)ite 5: Zeitung schreibt Blog und Blog schreibt Zeitung
Manche Kinder sind anders als die anderen und manche Blogs eben auch - Projekte von Medien-Unternehmen haben dann sicher auch eine andere Ausgangsbasis und andere Möglichkeiten in der Blogosphäre als rein private Aktivitäten. So berichtet man in der Zeitung über seinen Blog und bekommt dadurch Leser und Kommentare. Dann druckt man die Kommentare und hat somit wieder was für seine Zeitung - also so eine Art Content-Perpetuum Mobile - oder einfach doch nur eine Katze, die sich in den Schwanz beißt?
Der Blog der Wissenschaftsredaktion der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) heißt „planckton“ - und ist laut Selbstauskunft ein „Kalauer“, da es zum einen eine Referenz an den verehrten Max Planck und gleichzeitig phonetisch das griechische Wort für „das Umherirrende“ sei. Falls Sie noch Fragen hatten: So entstehen die „Kalauer“ einer Wissenschaftsredaktion…

Abb. DaS 5.1: Das 'Umherirrende' im Screenshot vom 02.06.2008 dingfest gemacht
„planckton“ zeichnete sich dadurch als, dass man neue Formen des Journalismus testen wollte, in dem man geplante Zeitungsartikel im Vorfeld im Blog veröffentlichte, um die Leser kommentieren und somit mitschreiben zu lassen. Ein Experiment, das gemäß des ausgewiesenen Online-Journalismus Fachmannes Christoph Neuberger und seinen Co-Autoren von der Universität Münster „nach wenigen Versuchen abgebrochen wurde“ (vgl. message, Heft 1/2008, S. 12).
Wir haben es also mit einem seltenen Exemplar eines besonderen Phänomens im Internet zu tun und das auch noch zu einem Thema, das für vatertage.net relevant ist - das rechtfertig also auch mal eine längere Einleitung wie diese. Es geht um den FAS-Artikel „Er bekommt ein Baby“ von Sigrid Tinz, der in der Ausgabe Nr. 28 vom 15. Juli 2007 (S. 58-59) mit zwei Wochen Verspätung.
Erschien (vgl. Abb. DaS 5.2). Der ist wie immer sachlich unterhaltsam und ausgewogen geschrieben. Daher geht es eigentlich um die 17 Kommentare, die aus den knapp über 50 eingegangenen Leserrückmeldungen, berücksichtigt wurden und denen fast soviel Platz eingeräumt wird wie dem eigentlichen Artikel.
Abb. DaS 5.2: Einstieg in den Print-Artikel in der FAS-Ausgabe vom 15. Juli 2007
Egal ob Männlein oder Weiblein: Das Gros der Rückmeldungen betrachtet Väter in Kreißsälen unangemessen. Die Frauen wollen sie nicht dabei haben, die Männer wollen nicht dabei sein. Mir ist klar, dass Rückmeldungen in einem FAS-Blog nicht repräsentativ sind, aber überraschend fand die Reaktionen bzw. deren Auswahl schon, da sie sich so wenig mit meinen Erfahrungen und Ansichten im Freundes- und Bekanntenkreis decken. Meinetwegen kann jeder machen, was er will - aber so richtig ausgewogen wirkt Journalismus nicht mehr, wenn die Leser das schreiben, was sie gerne lesen würden.
Idee:

Umsetzung:

Mehrwert:

Mittwoch, 28. Mai 2008
Was es sonst noch gibt (1): Bedrohte Wörter
Wenn sich schon im Alltag alles ums Kind dreht, versucht man die ein oder andere "kinderfreie" Freizeitnische zu finden. Schnell wird man merken, dass die neue Rolle als Eltern dennoch überall durchschlägt: Zum Beispiel habe ich es seit der Geburt unseres Sohnes nicht mehr geschafft, einen längeren Roman zu lesen. Stattdessen lese ich gerne Bücher, die sich in kleinen Häppchen portioniert genießen lassen.Besonders gut gefallen hat mir in jüngsten Zeit Bodo Mrozeks "Lexikon der bedrohten Wörter". Die Abschnitte sind kurz und knackig, lustig und lehrreich. Hier meine Medaillen-Plätze unter den bedrohten Wörter: "Backfischaquarium" (für Mädchen-Gymnasium, S. 30), "Duttengretel" (nach den Gebrüdern Grimm umgangssprachlich für ein wohl geformtes Frauenzimmer, S. 58), "Gabelfrühstück" (neudeutsch: Brunch, S. 76). Nett ist auch der Verweis, dass Mayonnaise im Deutschen eigentlich „Eiertunke“ (S. 104) heißt.
Alternative Vorschläge mit Begründung werden gerne in Kommentaren entgegengenommen.
Link zum Buch bei Amazon
Samstag, 24. Mai 2008
Souvenirs (2): Segnung
Wenn man sich vom ersten Schock erholt hat, möchten viele frisch gebackene Eltern gerne die Ankunft des neuen Menschleins im festlichen Rahmen feiern. Den meisten fällt dann die Taufe ein - egal, wieviel sie ansonsten mit Kirche am Hut haben mögen.
Meiner Frau und mir ist das Kirchliche nicht fremd - wir besuchen regelmäßig in unregelmäßigen Abständen die englischsprachige Gemeinde in Bochum (ECC), weil wir die offene Art der Gottesdienste und insbesondere der Menschen sehr schätzen. Da wir unseren Sohn nicht 'zwangs-konfessionalisieren' wollten und eher der Meinung waren, er möge sich selbst entscheiden, wenn er soweit sein sollte, schied eine Taufe für uns aus. Eine Segnung als Alternative gefiel uns jedoch sehr gut.
Eine Segnung ist fast genauso wie eine Taufe - nur ohne Wasser und Mitgliedsausweis. Im Rahmen des Gottesdienst am vergangenen Sonntag (Trinitatis) wurde unser sechsmonatiger Sohn gesegnet: Pastor und Gemeinde bitten um Gottes Segen, die Eltern und Paten versprechen, das Kind behütet und liebevoll auf seinem Weg zu begleiten. Im Anschluss werden Gruppenfotos gemacht und die ganze Familie geht lecker essen.
Völlig unklar war uns, dass Segnungen zur Zeit "in Mode" sein sollen: Insbesondere bibelfeste Christen verweisen darauf, dass in der heiligen Schrift an keiner Stelle Kinder getauft, sondern nur gesegnet werden. Uns ist es relativ gleich, was gerade in christlich bewegten Kreisen "inn" ist - für uns war es ein sehr schöner Tag, um mit vielen Menschen die Ankunft unsere Sohnes festlich zu feiern.
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